19. September 2026 – Post SV Nürnberg

    Beim heutigen Ju-Jutsu-Training beim Post SV Nürnberg stand nicht das klassische Techniktraining im Mittelpunkt. Stattdessen ging es um realitätsnahe Szenarien aus dem Bereich der Selbstverteidigung.

    Für die Durchführung des Trainings waren zwei kompetente Behördentrainer als Trainer vor Ort, die ihre Erfahrungen aus dem behördlichen Bereich in das Szenarientraining einbrachten. Dadurch konnten die Teilnehmer von praxisnahen Erfahrungen und einer realistischen Herangehensweise an unterschiedliche Gefahrensituationen profitieren.

    Zu Beginn wurde ein wichtiger Unterschied zwischen dem Training in der Halle und möglichen realen Situationen herausgestellt: Während Techniken im klassischen Ju-Jutsu-Training häufig unter kontrollierten Bedingungen und mit einem bekannten Ablauf geübt werden, können reale Angriffe wesentlich dynamischer und unvorhersehbarer sein. Überraschung, Stress, räumliche Einschränkungen und das Verhalten des Angreifers können eine Situation jederzeit verändern.

    Das Ziel des Trainings war deshalb nicht, für jede Situation eine bestimmte „Patentlösung“ zu vermitteln. Vielmehr ging es darum, die Teilnehmer mit unterschiedlichen Belastungen und realitätsnahen Situationen zu konfrontieren.

    Teil 1: Dynamische Angriffssituationen

    Im ersten Teil wurden verschiedene Angriffssituationen demonstriert und anschließend praktisch trainiert.

    Gezeigt wurden unter anderem:

    • ein Messerstich,
    • ein seitlicher Schwitzkasten,
    • sowie ein Angriff, bei dem der Angreifer den Betroffenen zu Boden bringt, in die Reitposition gelangt und Schläge gegen den Kopf ausführt.

    Die Übungen wurden bewusst mit deutlich mehr Dynamik durchgeführt als bei einem normalen Techniktraining. Dadurch sollte vermittelt werden, wie unterschiedlich sich eine Situation anfühlen kann, wenn nicht nur eine einzelne Technik, sondern plötzlich ein dynamischer Angriff im Mittelpunkt steht.

    Dabei wurde auch deutlich gemacht, dass es bei solchen Situationen kein allgemeingültiges Patentrezept gibt. Eine Befreiung, die in einer bestimmten Ausgangslage funktioniert, muss nicht automatisch bei einer anderen Situation funktionieren. Position, Bewegung, Umgebung, Überraschungsmoment und das Verhalten des Angreifers können den Verlauf erheblich beeinflussen.

    Das besondere Risiko bei Messerangriffen

    Besonders eindrucksvoll war die Auseinandersetzung mit dem Thema Messer.

    Eine Auseinandersetzung mit einem Messer birgt ein erhebliches Verletzungsrisiko und lässt sich nicht wie eine kontrollierte Trainingssituation behandeln. Selbst wenn eine Abwehr gelingt, kann es zu Verletzungen kommen.

    Deshalb ging es beim Training nicht darum, einen „Messer-gegen-Messer-Kampf“ zu simulieren oder eine sichere Standardlösung zu vermitteln. Vielmehr sollte das Bewusstsein dafür geschärft werden, wie gefährlich solche Situationen sind und wie wichtig es ist, gefährliche Situationen möglichst früh zu erkennen und – wenn möglich – zu vermeiden.

    Messerangriffe und Bedrohungen mit Messern sind ein relevantes Thema im Bereich der Gewaltprävention. Gerade deshalb ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken realistisch einzuschätzen und nicht davon auszugehen, dass eine bestimmte Technik eine sichere Lösung garantiert.

    Teil 2: Drei realistische Szenarien

    Im zweiten Teil des Trainings wurden drei unterschiedliche Szenarien aufgebaut. Dabei wurden die zuvor gezeigten Angriffssituationen in konkrete Alltagssituationen übertragen.

    Szenario 1: Angriff am Ticketautomaten

    Das erste Szenario spielte im Bereich eines U-Bahn-Ticketautomaten.

    Die Situation begann zunächst scheinbar normal. Der Angreifer kam aus einer Ecke und ging plötzlich in den Angriff über.

    Dabei wurde die bereits im ersten Teil gezeigte Situation aufgegriffen: Der Angreifer brachte den Betroffenen zu Boden, gelangte in die Reitposition und begann, Schläge gegen den Kopf auszuführen.

    Durch die Einbindung in ein Alltagsszenario wurde deutlich, wie schnell sich eine zunächst völlig normale Situation verändern kann. Für den Trainierenden gab es keinen vorbereiteten Ablauf und keine lange Vorbereitungszeit.

    Stattdessen musste auf die plötzliche Dynamik des Angriffs reagiert werden.

    Geübt wurde dabei, wie man unter diesen Bedingungen versuchen kann, sich aus der Situation zu befreien. Gleichzeitig blieb die zentrale Erkenntnis aus dem ersten Teil bestehen: Es gibt keine Technik, die in jeder Situation garantiert funktioniert.

    Szenario 2: Angriff in der Umkleide

    Das zweite Szenario fand in einer Umkleidesituation statt.

    Hier wurde insbesondere die räumliche Enge berücksichtigt. Weniger Platz bedeutet auch weniger Bewegungsfreiheit und verändert damit die Ausgangslage gegenüber einem normalen Training auf der Matte.

    Als Teil der Verteidigung wurden unter anderem Knieschläge gegen ein Schlagpolster trainiert.

    Auch hier stand nicht die Vermittlung einer einzigen „richtigen“ Technik im Mittelpunkt. Vielmehr ging es darum, die Situation unter erschwerten räumlichen Bedingungen zu erleben und die eigene Reaktion auf einen dynamischen Angriff zu trainieren.

    Szenario 3: Angriff im Keller

    Das dritte Szenario wurde in einem Keller aufgebaut und erinnerte von der Atmosphäre her an eine Situation in einer Diskothek.

    Zusätzlich wurden Stroboskop-Blitze eingesetzt, um die Wahrnehmung und Orientierung zu erschweren.

    Anschließend wurden zwei Varianten durchgeführt: einmal ein Angriff ohne Messer und anschließend ein vergleichbares Szenario mit Messer.

    Durch die Lichtreize, die ungewohnte Umgebung und die dynamische Situation entstand eine zusätzliche Belastung. Damit wurde simuliert, dass Selbstverteidigung nicht immer unter optimalen Bedingungen stattfindet.

    Schlechte Sicht, Ablenkung, Stress und Überraschung können die Wahrnehmung und die eigene Reaktionsfähigkeit beeinflussen.

    Selbstverteidigung bedeutet nicht nur Abwehr

    Das Training hat deutlich gemacht, dass Selbstverteidigung weit mehr ist als das Erlernen einzelner Techniken.

    Techniken können in einer gefährlichen Situation eine Möglichkeit sein, sich zu schützen. Gleichzeitig kann keine Trainingsübung eine reale Situation vollständig abbilden und keine einzelne Technik garantiert funktionieren.

    Deshalb gehört zu einem umfassenden Selbstschutz auch das frühzeitige Erkennen einer Gefahr. Wenn es möglich ist, sollte eine gefährliche Situation vermieden, Abstand geschaffen oder die Situation verlassen und Hilfe geholt werden.

    Gerade bei einem Angriff mit einem Messer steht nicht der sportliche Vergleich im Vordergrund. Das Ziel muss sein, die eigene Sicherheit zu erhalten und eine gefährliche Auseinandersetzung möglichst zu vermeiden.

    Ein Training mit vielen Eindrücken

    Das Szenarientraining beim Post SV Nürnberg hat die Teilnehmer mit Situationen konfrontiert, die deutlich dynamischer und unvorhersehbarer waren als ein klassischer Technikablauf.

    Vom Messerangriff über den Angriff aus der Reitposition bis hin zu den drei aufgebauten Alltagsszenarien wurde deutlich, wie stark sich eine Situation durch Umgebung, Überraschung und Stress verändern kann.

    Dabei ging es nicht darum, eine perfekte Lösung für jede denkbare Situation zu finden. Vielmehr stand die Erkenntnis im Mittelpunkt, dass reale Situationen unberechenbar sind und Selbstverteidigung auch bedeutet, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und – wenn möglich – eine körperliche Auseinandersetzung zu vermeiden.

    Ein intensives und abwechslungsreiches Training mit vielen unterschiedlichen Eindrücken – und eine wichtige Erfahrung dafür, wie anders Selbstverteidigung unter realitätsnahen Bedingungen wirken kann.

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